Gedanken zur geplanten Rufbereitschaft in den KAV Spitälern

Die gesetzliche Möglichkeit der Rufbereitschaft soll im Oktober/November im Wiener Gemeinderat, in Analogie zum Bund, für ganz Wien beschlossen werden. Was heißt das nun konkret für die bei der Stadt Wien angestellten Ärztinnen und Ärzte?

Laut Ankündigung der Stadträtin für Gesundheit wird daran gedacht eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Nachtdiensträdern in Rufbereitschaftsdienste umzuwandeln. Diese Möglichkeit wird jedoch von ÄK und PV angezweifelt.
Stellt sich die Frage: wem kann man nun Glauben schenken?

  •  wozu Rufbereitschaft?

In vielen Ländern gibt es Rufbereitschaft seit langem, angeblich mit keinerlei Qualitätsverlust in der Versorgung der PatientInnen und sogar mit Lebensqualitätssteigerung der betroffenen Ärzteschaft.

In Wien gibt es nach der  zuletzt durchgesetzten“Reform“ endlich adäquate und höhere Gehälter, natürlich auch bedigt durch nicht unbeträchtliche Überstundenerbringung und damit für die Stadt Wien anscheindend nicht vorhersehbare Steigerung der Ausgaben im Bereich Personal.

Etliche ND Räder wurden bereits gestrichen, es wurde in vielen Bereichen „umstrukturiert“ und Leistungen wurden verlagert, aber nichts desto trotz muss weiter eingespart werden.

Die Idee, mit der Umwandlung von ND Rädern in Rufbereitschaft (DENN diese Stunden zählen nicht zur Arbeitszeit!!) zu sparen ist nicht neu und die Hoffnung, dass man damit eine deutliche Reduktion der gut bezahlten Überstunden bei gleichzeitiger Steigerung der Tagesanwesenheit erreichen kann, ist aus Sicht des Arbeitgebers nachvollziehbar.

Aus Sicht der ArbeitnehmerInnen bedeutet das aber Einiges mehr:

  1. Je nach Personalstand deutliche mehr Nachtdienste, teils in Rufbereitschaft, teils vor Ort

  2. Wegfall der NG Stunden

  3. Gehaltsverlust durch Überstundenreduktion

  4. weiteren Verlust von Kontinuität und Qualität der eigenen Arbeit

  5. Reduktion und Fraktionierung von „echter“ Freizeit

  6. Unklare Trennung von familiären Verpfllichtungen und RB (z.B. brauche ich trotzdem eine Kinderbereuung, wenn die Möglichkeit besteht,  dass ich an meinen Arbeitsplatz muss und ggf bin ich dann parallel mit der zu bezahlenden Kinderberteuung zu Hause, Einschränkung der Gestaltngsmöglickeit meiner Freizeit etc…..)

  7. was ist, wenn die Kommunikation mit den Kollegen vorort schwierig ist zB  auf Grund sprachlicher Probleme, Einschtzungsfehler durch unerfahrene KollegInnen etc.

Rufbereitschaft klingt gut, wenn diese gut bezahlt ist und der/die Diensthabende nur durch gelegentliche Telefonate in Anspruch genommen wird, bei mehr Bedarf allerdings bedeutet es selbstverständlich unruhige Nächte (eventuell für die ganze Familie), örtliche und zeitliche Gebundheit und nicht zuletzt eine insgesamt vermehrte wenn auch fraktionierte Anwesenheit bei insgesamt weniger Gehalt.

  • Rufbereitschaft und Ausbildung?

Ausbildung kann in den Rufbereitschaftsdiensten wohl kaum stattfinden.  AusbildungsärztInnen in Rufbereitschaft sind ein NoGo, diese ab Nachmittag alleine zu lassen in vielen Fächern kaum machbar, ohne einerseits einen massiven Qualitätsverlust in der PateintInnen- und Angehörigenbetreuung als auch in der Ausbildung zu riskieren und den Druck auf diese Generation massiv zu erhöhen.

  • Welche Fachrichtungen können nun von RB betroffen sein? Die „Großen“ wie Chirurgie oder Interen Medizin, Psychiatrie, Neurologie, oder doch „nur“ die „kleinen Fächer“ wie Dermatologie, HNO, Urologie etc. ?

Objektiv betrachtet und mit anderen Ländern und Bundesländern verglichen – wohl von beiden etwas…

Hier gibt es einige Fallen zu beachten:

Rufbereitschaftsdiensten mit wenig Bedarf laufen Gefahr rasch als unnotwendig völlig gestrichen zu werden – die anfallende Arbeit wird auf andere Diensträder ausgelagert werden.

RB Dienst mit hohem rbeitsanfall im Sinne von häufigen und regemäßigen Anwesenheiten, werden Lebensqualität massiv beeinträchtigen und überdies  große Probleme mit der Planung der Arbeistzeit machen.

Die Frage der Haftung – z.B. Behinderung am Weg ins Spital im Rahmen der RB durch Stau oder  Unfall etc – wird zwar von allen offiziellen Seiten als problemlos dargestellt, macht aber den ArbeitnehmerInnen natürlich Sorgen und verunsichert. Das Alles wird sich aber wohl leider im Vorhinein nicht zur Zufriedenheit Aller beantworten lassen – hier werden sicherlich Präzedenzfälle notwendig werden.

Das waren nur einige Punkte, die folgende, wahrscheinlich uvollständigen Forderungen erklären sollten.

Zusammenfassend ist zu sagen:

1. VOR jeglicher Rufbereitschaft, muss eine gut funktionierende und flächendenckende Aufnahme- und Notfallversorgung sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich wienweit gewährleistet sein

2. Die Stunden des Rufbereitschaftsdienst müssen mit jeweils 60% des Stundenlohns der jeweiligen Stunde berechnet werden, die Stunden bei Anwesenheit mit entsprechendem Stundenlohn.

3. Bei Anwesenheit zählt die Arbeitszeit ab dem Zeitpunkt der Abfahrt bis zum Eintreffen zu Hause (der Weg muss arbeitsrechtlich abgesichert sein)

4. Festlegung auf 60 Minuten zum Erreichen des Arbeitsplatztes – geht sich das nicht aus, ist der ND vor Ort als vollwertiger Dienst durchgeführt und bezahlt zu werden.

5. Nach jedem RB-ND ist prinzipiell ein freier Tag einzuplanen, um keine Ruhezeitunterschreitung zu riskieren. Ausnahmen können freiwillig unter Einhaltung der Ruhezeit genehmigt werden.

6. Beginn des RB-Dienstes ist für die Abteilungen je nach Arbeitsaufwand selbständig festzulegen, sollte aber generell zwischen 16- und 20:30 liegen.

7. Die weiteren Tagesanwesenheiten müssen sich die Abteilungen je nach Arbeitsaufwand selbständig festlegen können, um eine Ausgewogenheit zwischen der Arbeitsbelastung und der für das Personal notwendigen Sollstunden zu erreichen.

8. Das Maximum der Nachtdienste (sowohl vollwertige als auch RB) ist in Summe mit 8/Monat festzulegen.

9. Abgeltung der NG Stunden ist zu überlegen

Zusammenfassend darf die RB nicht als Sparmassnahme eingesetzt werden, um Personalknappheit zu kompensieren und unsere gerade gewonnene Steigerung der Lebensqualität wieder zu reduzieren.

Ob RB Dienste in einigen Fällen nicht eine durchaus sinnvolle Umstrukturierung der Arbeitszeit und Arbeitsbelastung darstellen kann, wird sich wohl erst nach einer Evauierungsphase herausstellen, die aber auch erst nach einer Komplettierung der Akutversorgung auf hohem Niveau in alle KAV Häusern kommen kann.

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